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Rosskastanie

Kastanie

Ein beliebter Stadtbaum

Fast jeder kennt sie - die Rosskastanie (Aesculum hippocastanum). Im Mai erfreut sie uns mit ihren beeindruckenden Blütenkerzen. Im Herbst spielen und basteln die Kinder  mit den braunen Früchten, die besonders schön glänzen, wenn sie frisch aus der stacheligen, grünen Schale platzen.

Die Rosskastanie ist kein Waldbaum. Allenfalls auf Lichtungen oder am Waldrand kann man einzelne Exemplare finden. Für die Forstwirtschaft ist sie unbedeutend. Die Rosskastanie ist ein hoch geschätzter Stadt-, Park- und Alleebaum.

Sie ist ursprünglich in den Balkanländern, im Kaukasus, in Kleinasien und im Himalaya zu Hause und wurde 1588 von L'Ecluse (auch Clusius), dem Direktor der kaiserlichen Gärten in Wien, aus Konstantinopel eingeführt.

Die Früchte der Rosskastanie sind für den Menschen ungenießbar und sogar schwach giftig. Mit der essbaren Marone oder Esskastanie ist sie nicht näher verwandt. Pferde und Schalenwild werden dagegen oft mit Rosskastanien gefüttert.

Ampelanlage für Insekten

Einen zeitsparenden und nervenschonenden Service bietet die Rosskastanie den Insekten: Die Rosskastanienblüten weisen einen Farbfleck auf, ein so genanntes Saftmal. Beim Aufblühen ist es zunächst gelb. Nur von den gelben Blüten wird Nektar produziert, das heißt: der Besuch lohnt sich für Bienen und Hummeln.

Bereits 1-2 Tage später erlischt die Nektarproduktion und das Saftmal verfärbt sich rot - der Besuch lohnt sich dann für Insekten nicht mehr.

Wenn man in eine blühende Kastanienkrone schaut, kann man tatsächlich beobachten, dass fast nur die gelben Blüten angeflogen werden. So stellt die Rosskastanie den Blütenbesuch der bestäubungsbereiten bzw. pollenspendenden Blüten sicher und lenkt die Insekten nur dorthin.

Medizinische Bedeutung

Die Phytotherapie kennt die Rosskastanie als wirksames Mittel bei Venenleiden vielerlei Art wie Krampfadern, Schmerzen und Schweregefühle in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe sowie Juckreiz und Schwellungen.

Weitere Anwendungsfelder sind Venenstauung, Venenentzündung, venöse Durchblutungsstörungen und Stauungsödeme, Fuß- und Beingeschwüre, Hämorrhoiden, Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen oder Operationen, Thrombosen.

Rosskastanien-Extrakte erhöhen die Elastizität der Venen, verbessern die Abdichtung der Venenwände und schützen allgemein die Gefäße. Sie  tragen zur Rückbildung von Wasseransammlungen bei, wodurch Schwellungen zurückgehen und Schmerzen und Beschwerden wie Schwere- und Spannungsgefühle oder Kribbeln in den Beinen nachlassen können. Außerdem wirken sie schwach krampflösend und entzündungshemmend.

Äußerlich wird Rosskastanienextrakt zur Haut- und Haarpflege verwendet und kommt in vielen Badezusätzen, Shampoos und Cremes zum Einsatz.

Der ideale Biergartenbaum

Die Bierbrauer, die nur bis in den April hinein brauen konnten, brauchten eisgekühlte Keller, um ihr gelagertes Bier über den gesamten Sommer für ihre Kundschaft frisch zu halten. Doch das war schwierig im breiten Isartal, wo wegen des nahen Grundwassers keine tiefen Keller gebaut werden konnten.

Sie pflanzten daher auf ihre flach angelegten und mit Erde überhäuften Keller zusätzlich noch Bäume, damit kein Sonnenstrahl das Kellerdach unnötig erwärmt. Und für diesen Zweck war die Rosskastanie, der Baum mit dem "schwärzesten" Schatten, geradezu prädestiniert. Außerdem ist die Rosskastanie ein Flachwurzler und kam mit der geringen Bodentiefe über den Kellern gut aus. In Franken geht man heute noch nicht "in den Biergarten" sondern "auf den Keller".

Später - und sehr zum Ärger der umliegenden Gastwirtschaften natürlich - boten die Brauereien auf ihren baumbestandenen Kellern das Bier auch im Direktverkauf an. So entstand der Biergarten - quasi eine historische Form des Firmen-Outlet-Store mit Eventcharakter.

Um die aufgebrachten Gastwirte etwas zu beruhigen, untersagte damals der Bayerische König Ludwig I. den Brauern, auch noch Mahlzeiten zu ihrem Bier anzubieten. Die eigene Brotzeit durfte allerdings jeder mitbringen - bis heute.

Namensbedeutung

Über den Namen des Baumes schreibt der Botaniker und Mediziner Tabernaemontanus (1522-1590): "Werden Roßkastanien genennet, dieweil sie den keichenden Roßen behulfflich seyn." Tatsächlich hatte man türkische Knechte beobachtet, wie sie gehackte Roßkastanien unter das Pferdefutter mischten, als Medizin gegen Husten und Dämpfigkeit.

Möglicherweise stammt ihr Name aber auch von den hufeisenförmigen Narben, die die Blätter im Herbst an den Zweigen hinterlassen, wenn sie zu Boden fallen.

Arzneipflanze des Jahres 2008

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg kürte die Gemeine Rosskastanie aufgrund ihrer medizinischen Bedeutsamkeit zur Arzneipflanze des Jahres 2008.

 



Die Kastanie im Aberglauben

Im Volksmund hieß es, drei Kastanien in der Tasche schützten vor Rheuma.

Eine andere Weisheit besagte, dass eine Kastanie im Geldbeutel immer für klingende Münze sorge.

Man sagte auch: wer Kastanien isst, der bekommt Läuse. Wahrscheinlich geht der Aberglaube darauf zurück, dass bei Hungersnöten, wo Parasiten wegen des schlechten Allgemeinzustandes der Menschen häufiger sind, Brot aus Kastanienmehl gebacken wurde.

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