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Tollkirsche

Heilpflanze

Ein düsterer Nachtschatten

Ende Mai bis Ende August blüht die Tollkirsche; von Juli bis in den Herbst hinein erscheinen die namengebenden schwarzglänzenden Beeren. Die Tollkirsche gedeiht an warmen Waldrändern, an Kahlschlägen und auf Lichtungen in Laub- und Laubmischwäldern. Sie braucht humusreichen und etwas kalkhaltigen Boden. Man findet sie in Mittel- und Südeuropa, im Norden bis Nordengland, im Osten bis zur Ukraine.

Die Tollkirsche ist seit Jahrunderten als Giftpflanze bekannt und gefürchtet. Besonders im Aberglauben und Hexenkult des Mittelalters spielte die Pflanze eine große Rolle.

Die Tollkirsche diente früher als Heilmittel, wurde aber auch zu Giftmorden gebraucht.

Namensbedeutung

Wegen der starken Giftigkeit benannten die Griechen die Tollkirsche (Atropa) nach der Schicksalsgöttin Atropos. Atropos, gehörte neben Klotho und Lachesis zu den drei Schicksalsgöttinnen, die dem einzelnen Menschen seinen Lebenslauf zuwiesen. Die „Unabwendbare oder Unerbittliche“ (das bedeutet A-tropos nämlich wörtlich) war für das Durchschneiden des Lebensfadens und damit für das Ende des irdischen Daseins verantwortlich.

Der Name „belladonna“ = „schöne Frau“ erscheint bereits in Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts und geht wohl darauf zurück, dass der Saft, in die Augen getröpfelt, die Pupillen vergößert. Früher haben sich - vor allem italienische - Frauen deshalb Tollkirschensaft in die Augen geträufelt. Große, dunkle Augen galten als Schönheitsideal. Dafür nahmen die Damen sogar Sehstörungen in Kauf.

Tollkirschenrausch: Der blanke Horror!

Die Tollkirsche ist so ziemlich das giftigste, was die Natur zu bieten hat. Der Tollkirschen-Rausch gilt als sehr unangenehm.

Nach der Einnahme kommt es zu Pupillenerweiterung (Glanzaugen), fehlendem Erbrechen, trockener, geröteter und heißer Haut. Ferner kommt es zu Trockenheit der Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich, was Sprach- und Schluckstörungen zur Folge hat sowie zu Pulsbeschleunigung.

Bald befällt den Betroffenen Unruhe, er leidet unter Weinkrämpfen und Rededrang sowie unter Tobsuchtsanfällen. Bei den ausgelösten Wahnvorstellungen überwiegen dunkle, dämonische, extrem angstauslösende Visionen. Der gefürchtete "Horrortrip" eben. Die wenigsten erklären sich bereit, ein zweites Mal Tollkirsche einzunehmen.

Bei entsprechender Vergiftung kommt es zur Bewusstlosigkeit und zum Tod durch Atemlähmung.

Medizinische Bedeutung

Der Wirkstoff der Tollkirsche, das Atropin, wird heute noch in der Augenheilkunde zur Pupillenerweiterung genommen.

Es wirkt krampflösend bei Epilepsie und Asthma und wird bei Erkrankungen der Luftwege (Bronchitis, Reizhusten) eingesetzt. Ferner hemmt es die Drüsensekretion und wird zur Behandlung des Parkinsonismus genommen.

Atropin ist auch ein wirksames Gegengift und wird vom Militär als Mittel gegen Nervengas gelagert.

Atropin ist ein enger Verwandter des Kokain, allerdings um ein Vielfaches gefährlicher.

Andere Namen der Tollkirsche

  • Tollkraut
  • schwarze Tollkrische
  • Wolfskirsche
  • Teufelskirsche
  • Schwindelkirsche
  • Tollbeere
  • Irrbeere
  • Saukraut
  • Schönmädchen
  • Rasewurz
  • Wutbeere
  • Taumelstrauch


Zutat für Hexensalben

In Hexensalben war unter anderem Tollkirsche enthalten; auf die Haut aufgetragen führte sie zu real erlebten Wahnvorstellungen, wie z.B. der Vorstellung zu fliegen oder Tierverwandlungen.

Die Wolfskirsche

Der Wolf ist das Tier des germanischen Gottes Wotan und verkörpert Wut, Raserei und Ekstase.

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